6. April 2022

2. Impuls zur Fastenzeit

Heinz Seeber “Die Auferstehung”

Meditative Gedanken zur Fastenzeit

Unser zweiter Impuls zur Fastenzeit beschäftigt sich mit einer weiteren, sehr einprägsamen Grafik unseres Künstlers Heinz Seeber: Die Auferstehung.

Die Grafik “Die Auferstehung” von Heinz Seeber erfreut des selben regen Interesses wie “Die Fehlende Mitte”, die wir Ihnen im letzten Impuls näher brachten. Aus den vielfältigen Veröffentlichungen zu dieser Grafik haben wir uns für eine Interpretation von Prof. Dr. Dr. Anton Ziegenaus, Theologe und Dogmatiker, entschieden. Professor Ziegenaus kannte den Künstler sehr gut, begleitete viele seiner Ausstellungen und unsere Galerie mit seinem fundierten Wissen. So verfasste er auf Wunsch unserer Galerie das Buch “Gegenwart der Zukunft – Meditationen zur Apokalypse mit Bildern von Heinz Seeber “, dem wir die vorliegenden Gedanken entnommen haben:

“Auferstehung von Heinz Seeber

Offbarung 2,8 … der Erste und der Letzte, der tot war und lebendig wurde.

Die drei Kolosse fallen ins Auge. Doch sind es nicht erstarrte Versteinerungen oder feste Säulen, vielmehr ist alles in Bewegung: Die Gestalt in der Mitte dringt vor und die Quadern der Mauer stürzen.

Vorher war nur Mauer. Sie bedeutet Tod und Grab, Verschlossenheit und Gefängnis, Sünde und Unglauben, Angst. Doch da kommt Christus. Aufrecht, mit der Siegeskrone auf dem Haupt erscheint er, nicht mehr in der gebückten Haltung des Kreuzträgers. Die Hände sind kräftig, doch die nach unten gehaltenen Daumen zeigen, mit welcher Leichtigkeit er die Mauer durchdringt, die Quadern auf die Seite schiebt und hinter sich wirft. Das Licht zwischen den beiden Steinen wird größer. Bald sind sie nicht mehr zu sehen, sondern nur noch er. Jetzt aber, in dieser Lebenszeit, gibt es ihn, der gesiegt hat, und die Mauern, die durchbrochen, aber noch nicht ganz gefallen sind.

Der Mann unten im Sockel trägt stolz sein Haupt. Die Lippen sind trotzig gepresst. Obwohl sein Blick in die ferne gerichtet ist, wirkt er verschlossen. Er gehört, versteinert, zur Mauer. Wird von den Todesplatten erdrückt und von den Händen einer unsichtbaren Macht gehindert, den Blick zu wenden und aufzuschauen. Es ist der Totenkopf des eigentlich Toten, des ungläubig Verschlossenen. Will er in seinem Stolz Christus nicht sehen, auf ihn allein seine Hoffnung setzen und daher lieber zu Tod gehören oder kann er ihn nicht sehen, so dass ihm nur übrig bleibt, trotzig aufrecht der Unabänderlichkeit des Todes in die Augen zu sehen und energisch verbissen an einer besseren Welt zu arbeiten?

„So spricht der erste und der Letzte, der tot war und lebendig wurde. Ich weiß um Deine Bedrängnis … Fürchte Dich nicht vor dem, was Du zu leiden haben wirst … Ihr werdet eine Drangsal von zehn Tagen haben. Sei getreu bis zum Tod, und ich werde Dir den Kranz des Lebens geben … Der Sieger wird vom zweiten Tod keinen Schaden erleiden“ (Offb 2,8ff)

Herr Jesus Christus, durchbrich die Mauern der Angst und noch mehr die des Stolzes und selbstgefälligen Unglaubens.
Wende unseren Blick zu Dir.
Du bist endgültig der Sieger. Du kannst die Mauern von Sünde und Tod wegräumen und unser Dunkel hell machen.
So laß uns in der Bedrängnis Dir vertrauen.”

© Anton Ziegenaus, Gegenwart der Zukunft, Meditationen zur Apokalypse mit Bildern von Heinz Seeber. Künstler der Galerie Chlodwig Selmer, S. 46

 

Der Link führt Sie direkt zur Grafik “Die Auferstehung” von Heinz Seeber :